Fachbeitrag

20 Jahre Business-Software - und mehr

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ERP, CRM, BI, SCM – die Liste der Kategorien von Business-Software ist lange und wächst weiter. Frank Geisler, Sales Manager bei Avectris, beschreibt die Entwicklung der Systeme von den Anfängen bis in die Gegenwart.

Aber warum eigentlich nur 20 Jahre? Hat die Welt der Business-Software nicht schon viel früher begonnen? Und was ist überhaupt Business-Software? Fragen über Fragen! Fangen wir einfach von vorne an: Unter Business-Software versteht man landläufig Programme, die helfen, dass das Geschäft besser läuft.

Was ist Business-Software?
Es beginnt beim klassischen ERP (Enterprise Resource Planning), dessen bombastische Definition auf Wikipedia hier den Rahmen sprengen würde. Dazu kommen Begriffe wie CRM, BI, SCM … die Liste der Akronyme ist endlos lang. Genau so lang wie die Liste an Aufgaben, die unternehmensweit täglich anfallen.

Die Anfänge
Bereits in den 60er-Jahren wurden die ersten Schritte gemacht. Einfache Rechenprogramme halfen, Fertigung, Einkauf und Lieferung zu planen mit dem Ziel, die Bestände niedrig zu halten. Der Grossvater des ERP, das Material Requirements Planning (MRP), erblickte das Licht der Welt. Man mag es kaum glauben, aber etwa bis zu diesem Zeitpunkt wurde dem Käufer eines Computers die Software oft geschenkt.

Die 70er
In die Zeitspanne der 70er fällt auch die Gründung der Walldorfer Softwareschmiede SAP (1972). Zu dieser Zeit entstand Business-Software, die (fast) in Echtzeit funktionierte. Schnell erkannte man bei den Herstellern die riesigen Absatz- und Umsatzchancen. Und so schossen die Anbieter wie Pilze aus dem Boden: Epicor (1972, USA), Oracle (1977, USA) und JD Edwards (1977, USA) waren Pioniere dieser Zeit.

Die 80er
In den 80er-Jahren entwickelten sich die Fähigkeiten der MRPs immer weiter und so wurden sie später MRP II genannt – der Vater des ERP. Bekannte Firmen waren Abas Software (1980, Deutschland), IFS (1983, Schweden), Exact (1984, Niederlande), Peoplesoft (1987, USA) oder Navision (1987, Dänemark). In der Schweiz entstehen Opale (1982, Genf) und Abacus Research (1985, Wittenbach).

Die 90er
Schliesslich wurde in den 90ern erstmalig der Begriff ERP eingesetzt und durch Gartner geprägt. Vereinte es doch viele Funktionalitäten unter einem Dach. Der endgültige Siegeszug begann und so kamen in den folgenden Jahren immer mehr Komponenten hinzu: CRM, BI für die Auswertung der immer grösser werdenden Datenmengen, Supply Chain Management (SCM) zur Bewältigung der Lieferketten und und und. Neue Player wie Ramco (1992, Indien), Siebel Systems (1993, USA), Hyperion (1995, USA), Menahel (1996, Israel) oder Europa3000 (1997, Schweiz) tauchten am Markt auf, bewährten sich oder gingen sternschnuppenhaft wieder unter.

Die 2000er
Als der Schock des Jahrtausendwechsels für die IT verdaut war, ging es weiter mit der Arie der Gründungen neuer Unternehmen wie Infor (2000, USA), Sage (2001, UK), Workday (2005, USA) oder Bytics (2006, Schweiz). Bis heute ist der Gründungstrend, neu unter dem Label «Digitalisierung», ungebrochen.

Heute
Aktuell sind ERP-Systeme sehr weit fortgeschritten, hochflexibel und skalierbar. Sie verfügen meist über einen vollen Funktionsumfang, sind branchenspezifisch und bieten ortsunabhängiges, mobiles Arbeiten. Dazu kommen Zusatzlösungen, die es ermöglichen, günstig einzusteigen und sich «an die grossen ERP» anzudocken, etwa die Business Process Suite von Avectris (2015, Baden).
Damit hat der Anwender aber auch die Qual der Wahl: Soll es On-Premises oder in der Cloud sein? Lieber eine kommerzielle (proprietäre) oder eine Open-Source-Version? Suche ich mir eine Business-Software, die schon lange Bestand hat oder riskiere ich den Gang zu einem Start-up, das gegebenenfalls morgen schon wieder verschwunden ist? Auch hier und heute gilt: Fragen über Fragen!
Last but not least kann die Weisheit von Schiller jederzeit immer noch zu Rate gezogen werden: Drum prüfe, wer sich ERP-seitig bindet, ob sich nicht doch ein besseres findet!

Netzwoche, August 2020